Wir leben heute in einer Zeit, in der wir mit einer Epidemie seelischen Leidens konfrontiert sind. Das tatsächliche Ausmaß der Not lässt sich aufgrund der Statistiken über die Zunahme der Süchte, Angstkrankheiten, Depressionen und Suizidhandlungen nur erahnen.

Wer seelsorgerlich tätig ist, entdeckt sehr bald, dass auch unter Christen das ganze Spektrum psychischer und psychosomatischer Störungen anzutreffen ist. Und doch sind nur wenige bereit und befähigt, sich diesen Mühseligen und Beladenen in Liebe und Wahrheit zuzuwenden und wirksame Hilfe anzubieten.

Trotz des so offensichtlichen Mangels scheinen viele Christen zu fragen: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“. Dabei ist diese Frage von der Heiligen Schrift her längst beantwortet. Paulus sagt: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!“ (Gal. 6,2). An diesem Wort kommt keiner vorbei, der es mit dem Christ sein ernst nimmt. Es ist die Frage der Kompetenz, die heute vielen Brüdern und Schwestern Not macht und sie nicht selten davon abhält, dem klaren Auftrag zur Seelsorge nachzukommen.

Wie könnte geholfen werden?

Mit der Frage nach der Kompetenz ist aufs engste auch die Frage nach der Methodik verbunden. Diese wiederum ist sehr stark von der Zielsetzung abhängig. Denn jede Methode ist ein Weg zu einem Ziel (methodos = Weg). Ziel der Seelsorge ist aber nicht Heilung, weder körperliche noch psychische. Vielmehr geht es darum, das Heil zu vermitteln bzw. zu helfen, dass ein Christ die Ressourcen die das Heil in Christus in sich birgt, zu aktualisieren und für seine Problematik wirksam werden zu lassen. Das Ziel der Seelsorge ist von Paulus in Kol 1,28 formuliert, nämlich „jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen“. Ob es Hilfe zur Heiligung ist oder allgemeine Lebensberatung (z.B. Finanzen ordnen, Gewohnheiten ändern usw.), alles muss vom Wort Gottes autorisiert sein. Anthropozentrische Ansätze können nur am äußeren Menschen wirksam werden und bleiben deshalb weit hinter den Möglichkeiten einer christozentrischen Seelsorge zurück. Zudem vermitteln sie eine Sicht vom Menschen sowie eine Weltsicht, die von philosophischen Konzepten wie Humanismus (Rogers), Determinismus (Freud) und Behaviorismus (Skinner) geprägt sind. Sie orientieren sich stark am Zeitgeist, der aber vielfach konträr zum Geist der Heiligen Schrift steht. Ichstärkung mag der Ungläubige als Hilfe erfahren, für den Gläubigen aber würde sie einen Verlust darstellen, weil sie ihn von dem Ziel, das Gott mit ihm verfolgt, weiter wegbringt. Die Stärkung gläubiger Menschen müsste im Sinne von 2Kor 12,10 erfolgen. Das rückhaltlose Vertrauen auf Christus und seine Kraft im Bewusstsein der eigenen Schwäche kann und wird von Gott Bestätigung erfahren. Eine ausführliche Antwort auf die Frage „Warum nicht Psychotherapie?“ finden Sie in dem Buch „Was hilft wirklich? Biblische Seelsorge contra Psychotherapie“ (Antholzer/Schirrmacher), siehe unter Punkt „Literatur“. Die PDF-Datei des Buchs können Sie unter „Download“ kostenlos herunterladen.

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